Mehrere Personen stehen und sitzen vor Bäumen.

»Für einen Ort, an dem man die Menschen sieht.«

Bundesaußenministerium Annalena Baerbock, Staatsministerin Claudia Roth und Botschafter Dariusz Pawłoś bei Gedenkveranstaltung zum 84. Jahrestag des Überfalls auf Polen.

Die Stabsstelle »Deutsch-Polnisches Haus. Gedenken – Begegnen – Verstehen« organisierte die diesjährige Gedenkveranstaltung zum 84. Jahrestag des Überfalls auf Polen am ehemaligen Standort der Kroll-Oper. Dort hatte der Reichstag seit dem Reichstagsbrand 1933 getagt und Hitler 1939 den Überfall auf Polen verkündet. Der Ort ist unter anderem wegen seiner historischen Relevanz für den Überfall auf Polen der favorisierte Ort für die Entstehung des Deutsch-Polnischen Hauses und Gedenkzeichens.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock berichtete in ihrer Rede von der persönlichen Begegnung mit der Widerstandkämpferin Wanda Traczyk-Stawska. Sie habe ihr eindrücklich vermittelt, was Krieg und Besatzungsherrschaft bedeute. Es sei »… der Schmerz von Menschen. Und ich glaube, das zu sehen, darum geht es. Immer wieder uns zu vergegenwärtigen, was es am Ende ausmacht, für das Menschsein einzustehen. Und tagtäglich, nicht nur mit Blick auf Gräueltaten, sondern genau an diesen Orten, die wir jetzt bauen – das Deutsch-Polnische Haus – uns das zu vergegenwärtigen, dass wir bei allen Diskussionen und Differenzen, die wir haben, zwischen Menschen, zwischen unseren Ländern, dass wir immer wieder die Menschen sehen.«

Kulturstaatsministerin Claudia Roth machte in ihrer Rede darauf aufmerksam, welche Bedeutung dem Überfall auf Polen für die Geschichte beider Länder zukomme. Es sei ein Tag, der nicht vergangen ist: »Über seine Folgen, die Grausamkeit der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen wissen wir, wissen die Deutschen wenig.« Umso wichtiger sei es, mit dem Deutsch-Polnischen Haus das Wissen und Gedenken zu fördern.

Krystyna Zachwatowicz-Wajda, die am Warschauer Aufstand 1944 teilnahm und aus gesundheitlichen Gründen nicht vor Ort sein konnte, wandte sich mit einer Videobotschaft an die Anwesenden. Sie berichtete vom Gefühl der Verzweiflung während des Krieges – und von ihrem Widerstand. Auch für sie sind der Zweite Weltkrieg und seine Folgen nach wie vor präsent: »Ich muss sagen, dass ich sehr erschrocken bin, dass nach dem Horror des Zweiten Weltkriegs, nach all dem Leid, das wir erlebten, sich Faschismus, Nationalismus und Antisemitismus erneuern können.« Dass nun das Deutsch-Polnische Haus entstehe, habe sie sehr bewegt.

Schließlich sprach der polnische Botschafter Dariusz Pawłoś zu den Anwesenden. Er unterstrich die Notwendigkeit zur Erinnerungsarbeit sowie den Willen zur Versöhnung und betonte die Reparationsforderungen der aktuellen polnischen Regierung.

Begleitet wurde die Veranstaltung durch Gedichte von Anna Świrszczyńska, rezitiert von Janina Szarek-Münzberg und Gunda Aurich, sowie Musik von Ignacy Waghalter, interpretiert vom Polnischen Streichquartett Berlin.

Die Broschüre mit dem Programm und Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Zum Medienecho geht es hier.

Auf einem Bildschirm ist eine ältere Frau zu sehen.

Krystyna Zachwatowicz-Wajda © Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas / Marko Priske

Zusammenschnitt des Interviews mit Krystyna Zachwatowicz-Wajda anlässlich des 84. Jahrestages des Überfalls auf Polen