17.6.2025 18:00

Dawać w kość – Erinnern nach der Migration aus Polen

Diskussion, Lesung und Filmscreening

  • Auf Deutsch, Podiumsdiskussion
  • Adalbertstraße 95A, 10999 Berlin
  • FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, Deutsch-Polnisches Haus

© FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum

Wie fühlt es sich an, das „Land der Opfer“ zu verlassen und in das „Land der Täter“ zu migrieren? Wie ändert sich das Verhältnis zur eigenen Sprache? Was heißt es, sich an deutsche Gewaltgeschichte in Polen zu erinnern, wenn man in Deutschland lebt? Diesen Fragen widmen sich die Diskussion, Lesung und Screening mit den Schriftstellern Matthias Nawrat und ariel rosé und der Regisseurin Nicole Humiński. Dabei ist der umgangssprachliche Ausdruck „dawać w kość“ –  wörtlich „in die Knochen geben“ – eine starke Metapher und ein Gefühlsaggregat, das die Erinnerung an deutsche Gewaltgeschichte und eine Migrationserfahrung einfängt und daraus weiterdenken und -fühlen lässt.

Die Veranstaltung findet als Kooperationsprojekt zwischen dem Deutsch-Polnischen Haus und dem FHXB Friedrichshain – Kreuzberg Museum statt.

Die Veranstaltung findet hauptsächlich auf Deutsch statt mit polnischen und englischen Anteilen.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Part 1
Part 2

Matthias Nawrat wurde 1979 in Opole/Polen geboren. Er studierte Biologie, danach literarisches Schreiben. Er veröffentlichte fünf Romane, unter anderem „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“ (2015), „Der traurige Gast“ (2019) und „Reise nach Maine“ (2021). 2022 erschien sein Gedichtband mit dem Titel „Gebete für meine Vorfahren“, 2024 der Essayband „Über allem ein weiter Himmel – Nachrichten aus Europa“. Für seine Bücher wurde er zuletzt mit dem Literaturpreis der Europäischen Union und dem Fontane-Literaturpreis der Stadt Neuruppin und des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Er lebt in Berlin. 

© Foto: Lorena Simmel

ariel rosé ist polnisch-norwegischer Transgender-Dichter, Essayist, Illustrator und Übersetzer. Er ist Autor und Illustrator der Gedichtbände »morze nocą jest mięśniem serca« (»das meer bei nacht ist ein herzmuskel«, PIW, 2022) und »Północ. Przypowieści« (»Norden: Gleichnisse«, Znak, 2019), der für den polnisch-deutschen Josepha-Preis nominiert wurde. Gedichte in deutscher Übersetzung von Marlena Breuer sind in Sinn und Form und bei Box of Rain Press erschienen. Er hat Gedichte und Essays in vielen Sprachen veröffentlicht, u.a. in den Zeitschriften: Asymptote Journal, Arrowsmith Journal in den USA und in Europa u. a. in: Eurozine, Esprit, Sinn und Form, Irodalmi Szemle, Revista Sibila, Vinduet, Samtiden. Zweimal im Jahr lädt er Dichter aus unterrepräsentierten Ländern nach Oslo ein, hält Vorträge und übersetzt gemeinsam mit Aina Villanger Gedichte ins Norwegische. Im Jahr 2023 rief ariel gemeinsam Both Sides of the Border Face East ins Leben, eine internationale Kunstinitiative mit Schwerpunkt auf Ost- und Mitteleuropa. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Marci Shore und wird von der Fondation Jan Michalski und dem Renaissance Institute unterstützt. ariel ist Mitherausgeber des ersten Bandes der zugehörigen Buchreihe Both Sides Face East/Durable Words (Academic Studies Press, 2025). Es ist dem Krieg in der Ukraine gewidmet. Zwei weitere Bücher von ariel sind in Vorbereitung, Ukraine for Voices und Ways of Swimming. 

© Foto: Dirk Skiba

Nicole Humiński ist eine deutsch-polnische Regisseurin, die an der Hochschule für Fernsehen und Film München Regie studiert. Ihre Filme wurden international ausgezeichnet, darunter Drecks Kleingeld, der den Deutschen Kamerapreis in der Nachwuchskategorie gewonnen hat.
Parallel zu ihrer Arbeit als Regisseurin engagiert sie sich intensiv in der Erinnerungskultur. Als Leiterin der Initiative ECHOS, die im Rahmen des Projekts „Schicksale aus Polen 1939-1945" des Deutschen Polen-Instituts entstanden ist, das von der Stiftung EVZ und dem Bundesfinanzministerium gefördert wurde, setzt sie sich für die Aufarbeitung der deutsch-polnischen Geschichte ein. Für die dabei entstandene Arbeit Ich weiche ja in meinem Leben jeglichem Zwang aus ist sie für den Deutschen Kamerapreis in der Nachwuchskategorie Schnitt nominiert. Ihr neuester Kurzfilm But I Never Asked ist auf Basis der ECHOS-Recherche entstanden und befindet sich in der finalen Postproduktion. Ihre künstlerischen Arbeiten wurden in renommierten Institutionen präsentiert, darunter die Pinakothek der Moderne München, das Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg und neimënster Luxembourg.

© Foto: Nikolai Huber

Jadwiga Kamola, geboren 1983 in Warschau, ist Historikerin, Kuratorin und Autorin. Ihre Arbeit ist an den Schnittstellen zwischen Kunst, Faschismus und Moderne angesiedelt. Ihr weiterer Fokus liegt auf postmigrantischer Erinnerung. Jadwiga Kamola veröffentlichte Werke wie »Kunst, Kitsch, Faschismus, Kolonialismus. Leni Riefenstahls fotografisches Spätwerk im Museum« (2021) und »Artist Complex. Images of Artists in the Twentieth Century-Photography« (2021). Ihren Doktortitel in Globaler Kunstgeschichte erlangte sie 2015 am Cluster Asia and Europe in a Global Context in Heidelberg, danach war sie als Assistenzkuratorin an den Staatlichen Museen zu Berlin tätig. Im Jahr 2019 wechselte sie zu digitalen Formaten und wurde Kuratorin an der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main. Jadwiga Kamola arbeitete 2022 am Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden, 2023 bis 2025 war sie Kuratorin am NS-Dokumentationszentrum in München.

© Foto: Privat